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... dann finden wir dazu Anregungen in Geschichten. Der  allerbeste Lehrmeister ist jedoch das Leben selbst."   

Und welche Geschichten mir im aktuellen Jahr
so begegnen, das könnt Ihr hier nachlesen.

Hinweis:
Gern dürft Ihr zu den Beiträgen hier Eure eigenen Gedanken in meinen Gästebuch schreiben. Sie könnten eine wertvolle Bereicherung sein.


(03.02.2012) Bei uns gibt es heute Zeugnisse. Schon seit einigen Wochen macht sich mein Sohn Gedanken darüber, welche Zensuren er bekommen wird ... immer mit einem skeptischen Blick. Er ist jetzt in der 4. Klasse. Und seine Gedanken kreisen eigentlich nur darum, ob er den Anforderungen der weiterführenden Schule gerecht wird.

Er ist keiner, der nur mit "Einsern" nach Hause kommt. Er ist - wie ich sagen würde - "gut genug". Seine Leistungen hat er ohne Mühe und ohne besondere elterliche Nachhilfe erreicht. Er kann Zusammenhänge gut begreifen, arbeitet sehr selbständig an seinen Hausaufgaben, ist einfühlsam und kann sich (zumindest zu Hause) auch mündlich sehr gut ausdrücken. Damit hätte er meiner Meinung auch Chancen, das Gymnasium zu besuchen. Aber er möchte nicht und ich weiß auch warum: Er fühlt sich dem Leistungsdruck (noch) nicht gewachsen ...
Und deshalb werde ich auch nicht gegen seinen Wunsch entscheiden.

Und wie meinem Sohn geht es bestimmt auch noch einigen anderen Schülern heutzutage ... teilweise in noch größerem Ausmaß. Wie viele werden morgen Angst haben, ihr Zeugnis zu Hause zu zeigen?

Deshalb sage ich nicht nur zu meinem Sohn ... ich möchte es praktisch allen Kindern sagen: Zensuren sagen überhaupt nichts darüber aus, wie tolle Menschen Ihr seid!

"Gut genug!"
- so lautet auch das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelische Kirche. Ab 22.02.2012 heißt es dieses Mal "7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz". Fastenzeit, das ist schon lange nicht mehr nur der Verzicht auf Fleisch und Süßes, auf Zigaretten oder Alkohol. In der Fastenzeit verlassen wir ausgetretene Pfade. Wir brechen mit Gewohnheiten, selbstverständlichen Gesten des Alltags, machen etwas anders als sonst. Vielleicht laufen wir mehr zu Fuß, als dass wir das Auto benutzen. Wir verzichten auf sonst üblichen Komfort. Die 7 Wochen von Aschermittwoch bis Ostern sind eine Zeit, Fähigkeiten frei zu setzen und Dinge in Bewegung zu bringen.

Und so mag ich Euch dazu ermutigen, diese 7 Wochen bewusst für Zufriedenheit und Dankbarkeit mit dem Blick auf den eigenen Wert zu nutzen ...


(27.01.2012) ... so heißt die Märchensammlung des Oculus-Verlages aus dem Jahr 2011. Und nachdem ich dieses Buch letzte Woche erhalten habe, war ich schon oft drin ... in der Märchenwelt ... auf der Suche nach Geschichten, die ich weitererzählen kann. Da sind z. B.:

* "König Drosselbart und Prinzessin Unzähmbar"
  von Irene-Maria Seimann
  Eine wunderschöne Version des Grimmschen
  Märchens (für Jugendliche und Erwachsene)

* "Vom Krokodil, das eine goldene Schuppen-
  haut haben wollte" von Marlies Blauth
  Ein buntes Tiermärchen für Kinder

* "Jack O'Lantern" von Bettina Hackelsperger
  Ein Gruselmärchen nach keltisch-irischer
  Überlieferung


(25.01.2012)
Jede Geschichte hat einen Ort, an dem sie beginnt. Und so ist es auch bei dieser hier.
So kommt mit mir nach Cornwall –
einer Halbinsel im Südwesten Britanniens.
Auf 3 Seiten ist sie von Wasser umgeben
durch Keltische See den Atlantik und den Ärmelkanal.

Raue, steile Felsen werdet Ihr aufragen sehen.
Sie wechseln sich ab mit langen Stränden und malerischen Buchten.

Es war und ist seit alten Zeiten das Land der Kelten.


Einst lebte dort ein König, dessen Name war Marc. Als König Marc noch jung war und das Gewicht der Krone noch nicht gewohnt, war Krieg zwischen Cornwall und den Iren. Und die Kunde von diesem Krieg verbreitete sich auch in den Nachbarländern.

Ein schottischer König aus der Gegend von Edinburgh bot daraufhin König Marc seine Unterstützung an. Er sah es als eine gute Gelegenheit, die Streitmacht seiner Kämpfer einmal unter Beweis zu stellen. So schlugen sie gemeinsam die Iren in die Flucht und zum Dank gab König Marc dem schottischen König seine schöne Schwester zur Gemahlin. Denn er sah wohl auch, dass sich die beiden ineinander verliebt hatten, als sie sich das erste Mal in die Augen schauten.

Doch ihr Glück war nicht von langer Dauer. Denn an dem Tag, als dem König in Schottland ein Sohn geboren wurde, musste ihn auch seine Königin verlassen. Und die Glocken aller Kirchen, die zu ihrer Hochzeit erklungen waren, läuteten nun zu ihrem Begräbnis. Und so nannte er seinen Sohn „Tristan“, das heißt „Kummer“.

Tristan wuchs heran und lernte später von einem jungen Mann mit Namen Gorvenal alles das, was ein künftiger König lernen muss. Gorvenal liebte Tristan wie einen jüngeren Bruder. Er lehrte ihn reiten und mit Falken und Jagdhunden umgehen, mit Schwert und Lanze. Er trainierte mit ihm das Laufen, Ringen und Springen und allerlei Kunststücke. Nur eines konnte Gorvenal ihm nicht beibringen. Tristan erlernte es von ganz allein … er lernte es aus seinem tiefsten Inneren und das war die Kunst, die Harfe zu spielen.

Wenn Tristan die Harfe erklingen ließ, dann war es nicht, als spiele er auf den Saiten aus feiner Bronze, sondern auf der Herzensseele seiner Zuhörer. Es gab im ganzen Land keinen Vogel, dessen Lied er nicht hätte nachahmen können so vollkommen, dass der Vogel ihm sofort antwortete.

In einer Winternacht, als Tristan 16 Jahre alt war, da erwachte in ihm die unbändige Lust, fremde Länder zu sehen und Abenteuer zu erleben, denn der leicht erworbene Ruhm, der erste der Untergebenen seines Vaters zu sein, war ihm zu wenig ...

Ich werde Euch erzählen, wie Tristan zunächst nach Cornwall ging, um das Land seiner Mutter und seinen Onkel, König Marc kennen zu lernen ...

Ich werde Euch erzählen, wie er den größten Kämpfer der Iren, den Morholt im Zweikampf besiegte und somit Cornwall von der Sklaverei befreite ...

Ich werde Euch erzählen, wie Tristan selbst fast nach diesem Kampf starb, aber auf wundersame Weise gerettet wurde ...

Ich werde Euch erzählen, wie er auszog, die "Prinzessin mit dem Schwalbenhaar" zu finden, um sie seinem Onkel, König Marc, als Braut zu bringen ...

Ich werde Euch erzählen, wie der Wind Tristan nach Irland trieb und in der Prinzessin Iseult die gesuchte Braut für König Marc fand ...

Ich werde Euch erzählen, wie sich Hass in Liebe wandeln kann und wie es kam, dass Tristan und Iseult sich der Magie der Liebe zueinander ihr ganzes Leben nicht erwehren konnten ...

Ich werde Euch erzählen, welche Kämpfe - nicht auf dem Schlachtfeld - ausgetragen werden, wenn Treue, Ergebenheit und die Liebe aufeinanderprallen ...

... in diesem Sommer
... selbstverständlich wieder frei (NICHT vorgelesen und NICHT rezitiert)
... in meinem Erzählerzelt
... vielleicht auch auf einer Veranstaltung in Eurer Nähe
... wenn Ihr wollt!


(21.01.2012) Natürlich weiß ich um die Wirkung von Geschichten, habe es oft genug erlebt, wie sie bewegen, berühren und verändern ... habe die Mauern gesehen, die sie einzureißen vermögen, wahre Staudämme sind gebrochen ... auch bei "harten Männern". Manch einer baut eben Mauern um das auf, was ihm das Verletzlichste und Schützenswerteste erscheint. Gefühle verlassen oftmals nicht so einfach "die Burg". 

Niemals wollte ich eine Mauer um meine Gefühle ziehen und ich glaube, ich habe das auch nicht getan. Das Bild, das ich gerade vor mir sehe, ist eine geheimnisvolle Truhe, in die viele Seidentücher gelegt wurden, duftige und farbenfrohe Erinnerungen ... an jedem der Stücke hängt mein Herzblut. Es sind so leichte und zarte Stoffe und die Truhe ist randvoll. Sie sind so zahlreich, dass immer wieder einige Zipfel daraus hervor schauen ... ... und doch zögere ich, die Truhe einfach zu öffnen und die Tücher so zu tragen, wie ich sie schon einmal getragen habe ... als ich mir bewusst wurde, dass diese Gefühle nicht klein und wertlos sind, sondern groß und mächtig und sie genauso gewürdigt wissen wollte. Mir ist im Moment, als stehe ich vor einem großen verzauberten Spiegel ... und es drängt und zieht mich auf unerklärliche Weise, hineinzutreten. Ein Sehnen und Verlangen ... ein Ziehen und Zerren ...

... und doch ist da ein Schleier ... ein Netz ... ein Schatten. Was geschieht, wenn ich die Legende von "Tristan und Iseult" wirklich so erzähle, wie sie aus meiner Sicht erzählt werden sollte ... was macht die Geschichte dann mit mir?

Ich sehe in einen Spiegel und sehe, dass da etwas hängen geblieben ist ... wie ein abgerissener Ärmel an einem Dornenstrauch.


(18.01.2012) Wie ich darauf komme? Nun, in einem Internet-Netzwerk ist mir dieser Begriff begegnet ... verwendet offensichtlich für Menschen, die nicht in ein bestimmtes Business-Schema passen. Nun, ich bin stolz drauf, ein solches "Fabelwesen" zu sein. Und dafür gibt es mehrere Gründe:

1. Auch wenn deren Existenz nicht belegt ist, so haben Fabelwesen die Phantasie der Menschen beflügelt. Phantasie fördert Kreativität, Entwicklung, Wandel ... Ich bin wie der "Baldanders" eine wechselhafte Gestalt, welche die Veränderung der Welt und des Einzelnen in seinem Inneren symbolisiert ... und habe dabei immer das Positive, das "gute Ende" im Blick.

2. "fabelhaft", "märchenhaft", "sagenhaft", "fantastisch" ... das sind alles Begriffe, die wir als Synonym für "großartig" und "beeindruckend" verwenden.

3. Die Großen und Mächtigen, Fürsten und Könige haben sich schon immer gerne mit Fabelwesen umgeben :-) Sie sahen Drachen, Einhörner, Phönixe, Giganten, Meerjungfrauen, Elfen und Feen als  ein Abbild von vollkommener Stärke, Schönheit oder Reichtum der Natur.


(12.01.2012) Seit mehr als 10 Jahren bin ich nicht nur privat in Internet-Foren unterwegs. Ich hab mich einfach ganz offen darauf eingelassen. Lange bevor der Begriff "Social-Media" verwendet wurde, nutzte ich die Vorteile der Online-Kommunikation auch beruflich.
Mein erster Online-Workshop als Teilnehmerin war 2001 und bald darauf folgte der zweite. Damals war mein jüngster Sohn unterwegs, und ich konnte aufgrund gesundheitlicher Risiken schon ab dem 3. Schwangerschaftsmonat nicht mehr arbeiten.

So machte ich mich auf die Suche nach einer Möglichkeit, von zu Hause aus "am Ball zu bleiben" und fand es in der Internet-Weiterbildung. Online-Workshops waren kostengünstiger auch bei bekannten und gefragten Trainern, ich musste nicht reisen, mir keine Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Ich konnte mich auch mit Menschen zu einem Thema austauschen, die sogar in Österreich, Italien und Liechtenstein wohnten. Und vor allem, wir blieben viel länger in Kontakt, als das nach einem Live-Seminar von wenigen Tagen.

Ich war so begeistert von dieser Möglichkeit - vor allem auch, weil ich damit problemlos Familie und Beruf vereinbaren konnte mit einem Kleinkind - dass ich mich 2005 als Online-Trainerin selbständig machte. Und immer, wenn ich irgendwo in meiner persönlichen Vorstellung von meiner Arbeit sprach, dann begegneten mir ungläubige, neugierige und auch skeptische Reaktionen. Im Internet, da würde doch teilweise ein rauher Ton herrschen ... und dann diese Selbstdarsteller ... und ob da wirklich immer eine echte Identitiät dahinter stecken würde. Gerade das würde ja zu Konfrontationen, zu Auseinandersetzungen und zu "Cyber-Mobbing" führen.

Ich gebe zu, dass auch ich mir manche blaue Flecken und Blessuren am Anfang holte. Doch schon zeitig entdeckten auch Experten mein Talent für die schriftliche Kommunikation. So betraute mich Ralf Senftleben (Inhaber der ersten Online-Plattform, auf der ich meine Kurse anbot) mit der Moderation seines Workshopleiter-Forums und der Leitung seines Kundenservices. So kam ich mit Trainern, Beratern und auch Unternehmern ins Gespräch.

Als Ralf Senftleben seine "workshopwelt" aufgab, wurde ich an die Firma tempus in Giengen empfohlen, die im Jahr 2007 ihre eigene Plattform http://www.workshops365.de entwickelte. Dort führe ich nun seit fast 5 Jahren zuverlässig und kompetent den Kundenservice, modereriere den E-Learning-Ausbildungskurs und das Workshopleiter-Forum. Und nicht nur die Firma tempus ist zufrieden mit meiner erstklassigen Arbeit. Inzwischen bin ich eine bei allen anerkannte Expertin, namhafte Trainer und Berater schätzen meine Impulse, Inspirationen und Denkanstöße, die Sie von mir erhalten ... und ganz besonders wird immer wieder hervorgehoben, mit wieviel Geduld, Empathie, Diplomatie und Geschick ich eine Wohlfühl-Atmosphäre im Internet schaffe. Es wäre gerade so, als würde man neben mir sitzen und sich real mit mir unterhalten.

So gelingt es mir, auch Online-Gruppen auch über einen Zeitraum von Wochen oder Monaten zu einem Gedanken-Austausch zu bewegen. Ich moderiere zur Zeit ein berufliches Erfolgsteam von Erzählkünstlern. Da geht es darum, sich über alle Belange auszutauschen, die für Freiberufler und Unternehmer in diesem Bereich wichtig sind. Angefangen von der Programmgestaltung, über die Zusammenarbeit mit Veranstaltern und Agenturen, die Entwicklung von Kooperationen mit anderen Kunst-Bereichen, Marketing, Internet-Darstellung, Pressearbeit usw.

Dieses Erfolgsteam besteht seit mehr als einem Jahr, am 1. Februar geht es wieder in die Verlängerung. Und in diesem Zusammenhang schrieb mir eine der Teilnehmerinnen:

"Meine Zeit reicht im Moment weder für wer-kennt-wen, stayfriends, xing oder facebook. Fernsehgucken ist ja auch nicht so mein Ding. Wichtig seit Ihr mir hier in unserem Forum!"

Ich habe mich darüber wirklich sehr gefreut! Denn damit habe ich genau das erreicht, was mein Ziel ist: Begeisterung in Verbundenheit zu entwickeln:

"Vielen Dank, liebe ... das ist ein wundervolles Kompliment! Sehr gerne würde ich dieses Gefühl in viel mehr Internet-Foren und -Gruppen hineintragen. Deshalb ja auch mein neuer Workshop ab nächste Woche "Entwickeln Sie die Kunst, gute Gefühle zu verschenken" ... den ich nicht nur an diejenigen richten wollte, die bezahlte Online-Workshops machen,
sondern eben auch an Foren-Moderatoren. Denn ich bin der Meinung, dass Social-Media im Internet nichts Negatives sein muss ... nichts, vor dem man sich fürchten muss.

Wir haben es doch nun alle auch schon erlebt, dass eine vertrauensvolle Atmosphäre dazu führt, Entfernungen zu überbrücken und Verbindungen herzustellen ... und dass jeder von jedem profitieren kann ... dass Werbung und Marketing nichts "Marktschreierisches" sein muss, sondern in ganz normaler Kommunikation als Win-win-Situation wahrgenommen wird.
"

Und deshalb bin ich eben gerne in der Internet-Welt unterwegs ... auch, wenn ich das reale Leben noch mehr liebe und deshalb nur noch im Winterhalbjahr Online-Workshops gebe.

In der letzten Woche schrieb mir bei XING ein Mitglied sinngemäß folgendes: "... außerdem möchte ich nicht jemanden anklicken, der mit einem Virus für sich wirbt. Vielleicht werde ich dann noch krank!" Nun ja, mein "Erzähl-Lust-Virus" ist wirklich ansteckend ... auch online kann es passieren, dass er überspringt. Doch warum sollte sich jemand vor einem Virus der Begeisterung fürchten?

Ganz einfach und allgemein ausgedrückt ist ein Virus doch nur ein ansteckendes [infektiöses] Partikel, welches sich durch Übertragung und Vermehrung verbreitet. Dazu braucht es aber geeignete Wirtszellen. Nicht jeder ist für alle Viren empfänglich. Bei der Begeisterung gehört schon der Willen dazu. Dass das Wort selbst so negativ behaftet ist, liegt an seiner Wortbedeutung für "Gift, Schleim" ... doch wie sagte schon Paracelsus: "Allein die Dosis macht das Gift!" ;-)


(10.01.2012) Gestern war Vorstandssitzung in unserem Heimatverein. Wir treffen uns immer in unserer "Alten Schule", wegen der sich der Verein vor fast 30 Jahren mal gegründet hat. Das Wahrzeichen unseres Dorfes sollte nämlich damals von der Gemeinde an eine Privatperson aus Frankfurt verkauft werden. Das wollten die Dörfler natürlich nicht, dass da jemand dieses historische Gebäude für sich allein nutzt. So stellten sie den Verein auf die Beine und machten sich an die Arbeit, die Schule zu sanieren.

Die Stube in der Schule wird noch mit einem kleinen Ofen beheizt. Jule Ott brachte gestern Holz mit, weil der Kasten leer ist (so wie es übrigens damals die Schulkinder auch mussten) und dann legte sie mir ein kleines A6-Heftchen hin: "Das hab ich vor dem Feuer gerettet. Für Dich, vielleicht kannst Du etwas mit anfangen."

Es ist ein "Ränzlein" aus dem Jahr 1960 - Ein Jahrbuch für unsere Jugend zur Pflege der Heimatliebe und Freude an der Natur ... "Eigentum von Reinhard Ott - Treisberg Taunus" - so steht es in Schönschrift auf dem Innen-Umschlag. Allerlei Wissenswertes findet sich darin. Abbildungen lassen raten, welche Pflanzen da keimen, welche Obstbäume blühen, welche Tierspuren, welche Blätter, welche Vögel diese Nester bauen (eine wirklich schwierige Frage für mich als Stadtkind) und noch mehr.

Dazu gibt es Geschichten, die von Erlebnissen bei Jugendherbergs-Wanderungen erzählen, z. B. von den "Eichhörnchen-Menschen" oder vom zufälligen Besuch in einem "Weberhäuschen". Und eine Geschichte heißt "Ein Fuchzgerle". Die werde ich Euch hier nacherzählen:

Christa und ihre Freundin waren im Schwaben-Ländle unterwegs. Schließlich kamen sie in ein kleines Dorf. Außer einer Mühle und drei kleinen Bauernhäusern gab es dort nichts ... und die Mühle war zugleich die Bäckerei. Das traf sich gut, denn sie brauchten noch ein Brot. So traten sie ein.

Eine Weile warteten sie, dann kam ein altes Mütterchen mit einem Strahlen im Gesicht und fragte nach ihren Wünschen. Ehrlich gesagt, konnten die beiden Mädchen es nur ahnen, denn sie verstanden kein einziges Wort. Das Mütterchen sprach "Dialekt im Dialekt".

"Wir hätten gern ein Brot! Ein rundes Brot!"

"Ein Fuchzgerle", entgegnete das Mütterchen.

"Nein, ein Brot!"

"Ja, ein Fuchzgerle." Das freundliche Gesicht des Mütterchens konnte die Unsicherheit der Mädchen nicht vertreiben. Christa sah ihre Freundin an. Nun versuchte die es, aber ohne Erfolg. Das Mütterchen blieb beim "Fuchzgerle"

Da nahmen sie sich einfach ein Brot aus dem Regal, worauf das Mütterchen meinte "Zwei Fuchzgerle!"

Erschrocken und völlig verwirrt legten die Mädels eine Mark auf den Tisch und verschwanden.

Am Abend erzählten sie ihr Erlebnis natürlich in der Jugendherberge. Hans, ein Schwabe, wollte sich daraufhin scheckig lachen. "Habt Ihr eine Mark für das Brot bezahlt?"

"Ja, und?"
"Da habt Ihr dann zwei Fuchzgerle bezahlt. ... bei uns ist ein Fuchzgerle ein 50-Pfennig-Stück und zwei Fuchzgerle sind dann 1 Mark.

Seit diesem Tag heißen bei Christa in Hannover die runden Brote nur noch Fuchzgerle.

Das kleine "Ränzlein-Heft" wandert nun in meine Geschichtenerzähler-Schatzkiste.


(31.12.2011) "ALLE Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, ihnen zu folgen -
auch die verrückten, die geheimen, die unerhörten, die unsagbaren und unglaublichen!"

Das war ein Gedanke, den ich Anfang des Jahres hier unter "Plaudereien aus meinem Nähkästchen" veröffentlichte. Und mir wird 2011 immer in Erinnerung bleiben als das Jahr, in dem ich wirklich und wahrhaftig in meinem Herzen meinen Traum als erfüllt angesehen habe: Ich bin freiberufliche Erzählkünstlerin ... Geschichten- und Märchenerzählerin.

Seit Beginn meiner Selbständigkeit hat sich so eine 3-Jahres-Regel durchgesetzt. 3 Jahre hatte ich mir 2005 gegeben, in denen meine Abfindung für den Start als Trainerin und Beraterin reichen sollte. Zur gleichen Zeit entdeckte ich die Möglichkeit der Geschichten-Erzählerausbildung, konnte sie mir allerdings nicht leisten. "In 3 Jahren werde ich das Geld zusammen haben, dann ..." - so hatte ich es mir vorgenommen und so geschah es auch. Am 27.11.2008 nahm ich stolz die Urkunde der Goldmund-Erzählakademie entgegen.

Und ich hatte den festen Willen, die Erzählkunst zu meinem Beruf zu machen ... nicht nur einfach nebenbei. Ich wehrte mich jedesmal dagegen, wenn jemand sagte: "Du hast aber eine schöne Freizeitbeschäftigung!" oder wenn unser Bürgermeister in einer Empfehlung für meine Deutschland-Wanderung schrieb: "Wir bitten Sie, Frau Kliem bei der Umsetzung Ihres Hobbys zu unterstützen."

Erzählerin zu sein, ist für mich nicht einfach ein Beruf. Es ist eine Lebenseinstellung. Ich komme nicht von einer Vorstellung nach Hause, lege meine Gewandung ab und bin dann wieder "normale Frau und Mutter".

Gestern musste ich zum Beispiel  ein wenig schmunzeln, als ein Veranstalter mich fragte, ob ich nicht ein Foto für einen Werbeflyer hätte, auf dem ich nicht im "historischen Kostüm" abgebildet bin. Es ist KEIN "Kostüm", was ich trage. Das bin ICH, so wie ich bin ... zumindest dann, wenn ich für und mit Kindern erzähle. Es ist das, was Unternehmen als "Corporate Identity" bezeichnen. Auch Kinder brauchen einen Wiedererkennungswert ... es ist der Schlüssel dazu, sie immer wieder zu begeistern und zum Mitmachen anzuregen. Kinder, die mit Freude dabei sind ... die Spaß daran haben und demjenigen, der erzählt, vertrauen.

Es sind also seit meiner Zertifizierung zur Erzählerin wieder genau 3 Jahre vergangen ...
3 Jahre der Gesellen-Zeit. Und heute sehe ich mich als Erzählkunst-Meisterin. Ich gebe mein Wissen, meine Erfahrungen, meine Erlebnisse an andere weiter ... und es macht mich stolz und glücklich, wenn ich sehe, welche Früchte es trägt. Manchmal sind es noch kleine Pflänzchen, die gehegt und gepflegt werden wollen ... es gibt aber auch schon sehr kräftige Bäumchen.

Gestern habe ich auch meine Jahresbilanz gezogen. Auf der Einnahmen-Seite habe ich das letzte Jahr etwas weniger verbucht als 2010. Doch ich konnte meine Ausgaben reduzieren, so dass ein kleiner Gewinn herausgekommen ist. Eine gute Grundlage für 2012!

Ich wünsche Euch allen einen guten Start und viel Erfolg für das kommende Jahr!

Kartoffelfest an der Windmühle Heimsen, September 2011

Hier seht Ihr mich mit einem der "kräftigen Bäumchen"

Katja Volmar - "Marie, die erzählende Müllerin"

Neujahr 2012 ... Zum Jahresende habe ich alle Beiträge aus dem Jahr 2011 in das "Archiv" auf der folgenden Seite verschoben, so wie ich das jedes Jahr tue. Und wie immer lasse ich noch einmal alle Bilder, die ich mit diesen "Plaudereien aus meinem Nähkästchen" verbunden habe, an meinem Auge vorbei ziehen. Ich lese meine Gedanken, spüre die Gefühle wie ein Fadengespinst und webe Neues hinzu. Eine besondere Geschichte war mir nun wieder einmal so wertvoll, dass ich sie für das neue Jahr gerne hier belasse ...

"Der kleine Prinz" begleitet mich nun schon das 5. Jahr auf meinem Lebensweg. Immer wieder begegnen mir Sätze aus dieser schönen Geschichte ... scheinbar zufällig von Menschen an mich geschrieben. Sie bringen mir viele Erinnerungen und fließen einfach ein in meine Erzählungen ... in meine Gedanken.

Diese Geschichte macht mir jedes Mal bewusst, dass es sehr viel Geduld, Vertrauen, Liebe und Verantwortung braucht, wenn wir anderen Menschen begegnen ... wenn wir sie wirklich als Menschen kennenlernen und wertschätzen möchten ... ganz egal, ob beruflich oder privat, ob im realen Leben oder im Internet.


(14.03.2011) Es gibt Geschichten, die beginnen mit "Es war einmal ...",
und es gibt solche, bei denen die Erzählenden tief Luft holen und sagen:
"Es ist ..."

"Wer bist du?" sagte der kleine Prinz. "Du bist sehr hübsch...".
»Ich bin ein Fuchs«   

»Komm und spiel mit mir«, schlug ihm der kleine Prinz vor. »Ich bin so traurig...« 
»Ich kann nicht mit dir spielen«, sagte der Fuchs. »Ich bin noch nicht gezähmt!« 
»Ah, Verzeihung!« sagte der kleine Prinz. Und nach einiger Überlegung fügte er hinzu: 
»Was bedeutet das: 'zähmen'?«

»Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache. Es bedeutet: sich 'vertraut machen'.« 
»Vertraut machen?« 

»Gewiß«, sagte der Fuchs. »Du bist für mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt...  Bitte... zähme mich!«    

»Ich möchte wohl«, antwortete der kleine Prinz, »aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muß Freunde finden und viele Dinge kennenlernen.« 

»Man kennt nur die Dinge, die man zähmt«, sagte der Fuchs. »Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!« 

»Was muß ich da tun?« fragte der kleine Prinz. 

»Du mußt sehr geduldig sein«, antwortete der Fuchs. »Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Mißverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bißchen näher setzen können... wenn du mich zähmst, wird mein Leben wie durchsonnt sein. Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen andern unterscheidet. Die anderen Schritte jagen mich unter die Erde. Der deine wird mich wie Musik aus dem Bau locken. Und dann schau! Du siehst da drüben die Weizenfelder? Ich esse kein Brot. Für mich ist der Weizen zwecklos. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Und das ist traurig. Aber du hast weizenblondes Haar. Oh, es wird wunderbar sein, wenn du mich einmal gezähmt hast! Das Gold der Weizenfelder wird mich an dich erinnern. Und ich werde das Rauschen des Windes im Getreide liebgewinnen.« 

Der Fuchs verstummte und schaute den Prinzen lange an. 

So machte denn der kleine Prinz den Fuchs mit sich vertraut. Und als die Stunde des Abschieds nahe war: »Ach!« sagte der Fuchs, »ich werde weinen.« 

»Das ist deine Schuld«, sagte der kleine Prinz, »ich wünschte dir nichts Übles, aber du hast gewollt, daß ich dich zähme...« 
»Gewiß«, sagte der Fuchs. 
»Aber nun wirst du weinen!« sagte der kleine Prinz. 
»Bestimmt«, sagte der Fuchs. 
»So hast du nichts gewonnen!« 
»Ich habe«, sagte der Fuchs, »die Farbe des Weizens gewonnen.«
                                                                                               (Antoine de Saint-Exupéry)

Frühere "Plaudereien aus meinem Nähkästchen" findet Ihr
auf der folgenden Seite.